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maandag 7 juli 2014

Interview über die Polyglottenkonferenz in Berlin im Juni 2014 (Deutsch)

Evgueny Bokhanovsky aus Russland, mit dem ich auf LingQ (www.lingQ.com) regelmäßig Podcasts auf Deutsch produziere, hat mit mir folgendes Interview geführt: Evgueny: - Guten Abend, Fasulye! Fasulye: - Guten Abend, Evgueny! E: Fasulye, ich weiß, dass du vor kurzem an der Polyglottenkonferenz teilgenommen hast. Und das ist meine erste Frage vielleicht: Wann und wo hat diese Polyglottenkonferenz stattgefunden? F: Ja, das war die zweite Polyglottenkonferenz, die es überhaupt gibt, mit Teilnehmern, die sich aus dem Internet kennen. Und diese Konferenz hat im Juni 2014 in Berlin stattgefunden. E: OK. F: Das waren vier Konferenztage. Ich hatte einen Anreisetag, ich bin mit dem Zug dorthin gereist und dann kamen vier Konferenztage und dann hatte ich noch einen Abreisetag. E: Ach so. F: Und an dem Abreisetag hatte ich noch die Gelegenheit, einen halben Tag „Sightseeing“ in Berlin zu machen. E: Ah, OK, OK. Das ist auch interessant. Aber wie viele Leute haben an der Konferenz teilgenommen? Und wie alt waren die Teilnehmer? F: Ja, es haben 230 Teilnehmer teilgenommen und es waren ursprünglich nur 200 geplant, aber sind in der Tat 230 dagewesen. E: Aha. F: Und die zwei jüngsten Teilnehmer waren 17 Jahre alt. Und es gab auch drei bis vier Herren, die waren bereits über 70 Jahre alt. Und dazwischen waren eigentlich alle Altersstufen vertreten, aber in der Mehrzahl waren es junge Leute zwischen 20 und 40. E: Ach so, sehr gut. Und aus welchen Ländern waren diese Leute und welche Sprachen haben sie gesprochen? F: Die meisten Teilnehmer kamen aus Europa, aus ganz verschiedenen Ländern. Es kamen aber auch welche von anderen Kontinenten. Ich habe mit einem gesprochen, der kam aus Brasilien. Die waren zu zweit aus Brasilien gekommen. Es waren mehrere Teilnehmer aus den USA dabei. Also es waren auch andere Kontinente als Europa vertreten. Und die Sprachen, die sie gesprochen haben… also, wir hatten so eine Art „Badge“ (= ein Schildchen zum Anklemmen), wo man die Sprachen eintragen konnte, die man sprach. E: Ja. F: Und da waren also die unterschiedlichsten Sprachen vertreten. E: Aha. F: Also es war eine richtige Sprachenvielfalt. Da wurden auch sehr viele Sprachen regelmäßig gesprochen, die nicht Englisch waren. E: Sehr gut. Und wie war diese Konferenz veranstaltet? Gab es dort einige Vorträge oder gab es vor allem einen nicht formellen Austausch mit der Spracherfahrung? F: Also, es gab beides. Es wurden an den vier Konferenztagen... wurden vormittags 3 Stunden lang jeweils Vorträge angeboten und zwar es fing um 9 Uhr an und es ging bis 12 Uhr. Und ein Vortrag dauerte jeweils eine Stunde, aber es wurden jeweils 3 Vorträge parallel angeboten, so dass man auswählen konnte. E: Aha! F: Insofern fanden vormittags 9 Vorträge statt, dann war eine Mittagspause zwischen 12 und 15 Uhr. E: Ja. F: Und dann war …von 15 Uhr bis 18 Uhr waren wieder 3 Stunden lang Vorträge wurden angeboten, und zwar wieder parallel jeweils 3 Vorträge. E: OK. F: Und es war… viele von den Teilnehmern waren in diesem Hotel - Hostel untergebracht direkt in der Nähe des Hauptbahnhofes, wo ich auch untergebracht war. Und die Teilnehmer, die saßen während der 3 Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen und Abendessen jeweils an langen Tischen zusammen. Und es wurde sehr, sehr viel sich unterhalten, in ganz verschiedenen Sprachen während der Essenzeiten auch. E: So, interessant! Und hast du selber dort einen Vortrag gehalten? F: Nein, nein. Ich hatte das auch nicht vor, ich bin auch nicht so unbedingt der Typ, der Vorträge hält. E: Aha. F: Ich bin das auch so von meinem normalen Leben nicht gewohnt. Also was mir auch fiel bei den vortragenden Leuten, das waren alles Akademiker. E: Aha. F: Und es waren alles Leute, die auch sagen wir entweder beruflich oder auch sonst üblicherweise regelmäßig Vorträge halten. E: Aha. Aber in welchen Sprachen wurden diese Vorträge gehalten? F: Ich würde mal sagen: 90% bis 95% der Vorträge waren auf Englisch. Und es gab aber auch Ausnahmen. Ich bin in einem Vortrag gewesen, der auf Schwedisch gehalten wurde, von einem Nicht-Muttersprachler, der kam aus Südtirol und der hat seinen Vortrag auf Schwedisch gehalten, was für mich sehr vorteilhaft war, weil er nicht so schnell gesprochen hat wie ein Muttersprachler. E: Aha. F: Und ich war auch in einem Vortrag, der wurde von einem Brasilianer auf Spanisch gehalten. Und dann habe ich im Programm gesehen, dass auch noch Vorträge auf Deutsch, auf Französisch und auf Italienisch und Portugiesisch gehalten wurden. E: Aha, OK. Und ich habe dein Videointerview mit einem polnischen Polyglotten gesehen. Wie ist dieses Video entstanden und in welcher Sprache habt ihr in dem Video gesprochen? F: Ja, das war ein ganz interessantes und sehr spontanes Projekt. E: Aha. F: Also, mein Gesprächspartner in diesem Video ist einer der beiden jüngsten Teilnehmer. E: Aha! F: Er ist 17 Jahre alt und geht noch zur Schule. Und ich habe ihm… also, er wohnt in Schweden, kommt aber aus Polen. Und ich habe ihm eine Französisch - Unterrichtsstunde gegeben während der Konferenz. E: Aha. F: Und dann haben… wir sind ein bisschen in Kontakt gekommen und dann hatte an dem letzten Abend… hatte er ein Video auf Spanisch aufgenommen mit seinem Handy. Und ich kam dann vorbei, und dann sprach er mich ganz spontan an, ob ich nicht ihm ein paar Fragen stellen könnte auf Deutsch. Er würde so gern ein deutsches Video machen. E: Ach so! F: Dadurch (so) ist die Videoaufnahme entstanden. E: Ja, ja, sehr gut, sehr gut. Hast du auf der Konferenz irgendwelche Sprachenerlebnisse gehabt, die dich völlig überrascht haben? F: Ja, da gab es, das habe ich in der Tat gehabt, etwas Unerwartetes, und zwar gab es sehr viele auf der Konferenz, die skandinavische Sprachen sprachen. E: Ah! F: Und ich bin ja Lernerin der dänischen und der norwegischen Sprache, aber es waren relativ viele Schweden da. Und die haben zum Teil auch in Gruppen gestanden und sich unterhalten und da waren auch welche dabei, die Schwedisch als Fremdsprache gelernt haben. Und ich habe mich einfach dazu gestellt und hab verstanden, was sie geredet haben. E: Ach so! F: Und ich hab dann aber allerdings auf Dänisch geantwortet, und die Schweden haben auch mein Dänisch verstanden. E: Ach so! Sehr interessant! OK. Und für welche Leute würdest du die Teilnahme an einer solchen Konferenz empfehlen? F: Also, ich würde eine solche Konferenz allen denjenigen Leuten empfehlen, die sich sehr für Sprachen interessieren, die sich auch nicht daran stören, dass alle möglichen Leute unterschiedliche Sprachen sprechen. E: Aha. F: Und es ist auch von Vorteil bei so einer Konferenz, wenn man kontaktfreudig ist und gerne sich unterhält und leicht auch mit unbekannten Leuten sich bekannt machen möchte. E: Aha! F: Also sehr schweigsame Personen, glaube ich, würden nicht ganz auf ihre Kosten kommen. E: Ah, OK. Also gibt es da einige Voraussetzungen, ja? Also „kontaktfreudig sein“, ja? F: Das ist von Vorteil. Was eigentlich nicht, was keine Voraussetzung ist, ist dass man eine bestimmte Anzahl von Sprachen sprechen muss. E: Aha. F: Das ist eigentlich alles mögliche denkbar und es gibt vielleicht, dass manche Leute meinen: „Ich spreche nicht genug Fremdsprachen, ich darf nicht teilnehmen.“ Also so ist das mit Sicherheit nicht, also insofern sind auch Leute willkommen, die wenig Fremdsprachen sprechen. E: Aha, OK. Aber die drei Hauptorganisatoren dieser Konferenz waren Esperantisten aus Deutschland. Und in wieweit hat die Esperantokultur die Konferenz beeinflusst? F: Ja, das war ganz toll, und das ist auch sehr… da waren die Leute auch sehr begeistert darüber. Teile des Programms hatten mit der Esperantokultur zu tun. So gab es zum Beispiel ein „Alligatorejo“, also ein Alligator ist ja ein Tier, ein Reptil, und ein „ejo“ ist ein Ort. Also es ist…und das war praktisch ein Konferenzraum, und da konnten die Leute stehen und sich frei unterhalten. Aber es gab zwei Spielregeln, und zwar durften die Leute kein Englisch sprechen, weil das die Hauptkonferenzsprache ist und sie durften nicht ihre Muttersprache sprechen. E: Aha! F: Und sie hatten praktisch eine Stunde Zeit, sich mit verschiedenen Leuten zu unterhalten, unter Einbeziehung dieser zwei Spielregeln. E: Aha, aha. F: Das war das erste und das zweite war ein „Gufujo“ ( la gufo = die Eule ) - das war auch ein Konferenzort, der dann abends, ab halb neun geöffnet wurde. Und dort saßen zwei Mitarbeiter, die ...also Freiwillige natürlich, die haben Tee serviert. Und es gab verschiedene Teesorten und auf den Tischen standen Kerzen. E: Aha. F: Und es war also eine angenehme Atmosphäre, und es lief leise Musik. Wenn es irgendwo zu laut wurde oder zu viele Leute redeten oder man brauchte mal ein bisschen Ruhe, dann ist man abends ins „Gufujo“ gegangen. E: Ach so, ja, interessant. Also… und das… eine andere erfundene Sprache vielleicht, außer Esperanto, hat eine wichtige Rolle auf der Konferenz gespielt, ja? F: Ja. Das war auch für mich überraschend und zwar hat die Erfinderin der Sprache „Toki Pona“ an der Konferenz teilgenommen. Das ist, ich glaube, Carol Lang aus Kanada. E: Aha. F: Und sie hat mir erzählt, das es inzwischen 500 „Toki Pona“-Sprecher schon gibt. Die Sprache ist also noch sehr neu und sie hat auch selber Lehrbücher von „Toki Pona“ verkauft auf der Konferenz und es gab auch einen Einführungsvortrag, der eine Stunde gedauert hat über die Sprache „Toki Pona“. E: Aha! Interessant, ja! (Lachen) OK, danke schön für dein interessantes Interview! F: Ja, gern geschehen, Evgueny! E: Also tschüss! Und bis zum nächsten Mal! F: Tschüss, Evgueny!